Das Unverständnis kleiner Händler gegenüber den Gebühren auf TWINT-Zahlungen hat sich in den letzten Monaten verstärkt. In Interviews, die von La Liberté, ArcInfo, RTS/info oder Blick gesammelt wurden, kritisieren mehrere lokale Geschäfte eine Kostenstruktur, die ihrer Ansicht nach weder ihrer wirtschaftlichen Realität noch dem tatsächlichen Mehrwert des Zahlungsdienstes entspricht. Die zentrale Kritik betrifft einen präzisen Punkt. Die Verrechnung eines Prozentsatzes des Einkaufsbetrags statt einer festen Gebühr pro Transaktion.
Um das Ausmass der Debatte zu verstehen, muss man von den Daten ausgehen. Für die Mehrheit der kleinen Händler wird TWINT über Zahlungsterminals oder Lösungen genutzt, die von Anbietern wie Worldline oder SIX Payment Services bereitgestellt werden. Die tatsächlichen Gebühren werden daher nicht direkt von TWINT festgelegt, sondern von den Finanzdienstleistern und Acquirern, die die Transaktionen verarbeiten. TWINT selbst gibt je nach Angebot auf dem Markt Kosten von etwa 1,3 bis 1,6 Prozent pro Transaktion an. Mehrere Aussagen von Berufsverbänden, insbesondere von GastroSuisse und dem Schweizerischen Gewerbeverband, zeigen Rechnungen, die im Durchschnitt zwischen 1 und 2 Prozent des gesamten eingenommenen Betrags schwanken.

Betrachtet man diesen Wert absolut, wirkt er moderat. Ein Franken auf hundert. Wird er jedoch auf den Warenwert angewendet, öffnet sich ein breiteres wirtschaftliches Problem. Eine proportionale Kommission bedeutet, dass eine Bank oder ein Acquirer höhere Einnahmen erzielt, wenn das verkaufte Produkt einen höheren Wert hat. Dabei verändert der Wert eines handwerklich gerösteten Kaffees oder eines Essens keineswegs die technische Komplexität der Transaktion. Aus rein operativer Sicht ist eine TWINT-Zahlung über 15 Franken nicht aufwendiger zu verarbeiten als eine über 150 Franken. Die Infrastruktur ist identisch. Der technische Aufwand vergleichbar. Die Belastung bleibt gleich.
Diese Diskrepanz zwischen den Kosten des Dienstes und dem Warenwert trägt heute zur Unzufriedenheit bei. Dieses Modell stammt historisch aus dem internationalen Kreditkartensystem und wurde durch das Argument eines risikobasierten Gebührenmodells gerechtfertigt. Im Fall von TWINT, das auf einer sofortigen Überweisung oder einem direkten Debit basiert, ist das Risiko von Betrug oder Zahlungsausfällen jedoch sehr gering, wie aus den von TWINT veröffentlichten Daten und den Angaben der Partnerbanken hervorgeht.
In diesem Zusammenhang verwenden einige Händler einen aufschlussreichen Vergleich. Man stellt sich ein System vor, in dem die Schweizerische Nationalbank bei jeder Barzahlung mit einem 20-Franken-Schein eine Gebühr proportional zum Wert dieses Scheins erheben würde. Eine solche Praxis stünde im Widerspruch zur grundlegenden Funktion des Geldes, das ein neutrales Tauschmittel darstellt, dessen Nutzung nicht vom Wert der gekauften Ware abhängt. Dieser Vergleich soll nicht dramatisieren, sondern eine einfache wirtschaftliche Realität veranschaulichen. Die technische Dienstleistung bei einer Zahlung hängt nicht vom Betrag ab, die aktuelle Kommission jedoch vollständig.
Grosse Handelsketten profitieren aufgrund ihres hohen Transaktionsvolumens von sehr günstigen Vertragsbedingungen. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass sie Kommissionen aushandeln können, die deutlich niedriger sind als jene, die kleinen Strukturen auferlegt werden. Diese strukturelle Ungleichheit reproduziert ein Muster, das bereits bei Kreditkartengebühren zu beobachten ist, bei dem grosse Akteure optimierte Tarife erhalten und kleine einen unverhältnismässig hohen Anteil der Infrastrukturkosten tragen.
Die kleinen Händler stellen den Nutzen von TWINT nicht infrage. Der Dienst verbessert den Zahlungsfluss, sichert die Einnahmen und entspricht den Gewohnheiten der Schweizer Kundschaft. Die Frage betrifft die Tarifstruktur und ihre Angemessenheit gegenüber der wirtschaftlichen Realität sehr kleiner Unternehmen, für die einige Zehntelprozente eine spürbare Belastung darstellen können.
Mehrere Experten, die von der Handelszeitung befragt wurden, bringen eine Alternative ins Gespräch. Ein Modell, das auf einem festen Preis pro Transaktion basiert. Eine Tarifstruktur, die die technische Natur des Dienstes widerspiegeln würde statt den Wert der verkauften Ware. Ein solcher Ansatz würde die Kosten besser kalkulierbar machen und die aktuelle Ungleichheit zwischen kleinen und grossen Händlern reduzieren.
Auch andere europäische Länder befassen sich mit der Frage, ob eine proportionale Kommission im Konto-zu-Konto-Zahlungsverkehr sinnvoll ist. In Skandinavien, wo sich dieses Modell stark entwickelt hat, werden bereits transparentere Strukturen untersucht. Die zentrale Frage bleibt, wie ein essenzieller Markt reguliert werden kann, ohne die verletzlichsten wirtschaftlichen Akteure zu benachteiligen oder Verzerrungen im lokalen Wirtschaftsgefüge zu erzeugen.
Es ist berechtigt zu fragen, ob die aktuelle Struktur langfristig tragfähig ist. Sollten die Kommissionen stärker an die technische Realität des Dienstes angepasst werden?, sollte eine Regulierung verhindern, dass sich die Unterschiede weiter vertiefen?, oder müsste die Rolle der Banken in der Wertschöpfungskette des lokalen Handels neu definiert werden?, diese Debatte scheint inzwischen unvermeidlich.
Quellen
La Liberté
Mobile Zahlungen, Händler wehren sich gegen Gebühren
https://www.laliberte.ch/news-agence/paiements-mobiles-des-commercants-sinsurgent-contre-les-frais-730659
RTS / Info
Kleine Händler und Gastrobetriebe kritisieren die TWINT-Gebühren
https://www.rts.ch/info/economie/14979514-petits-commercants-et-restaurateurs-denoncent-les-frais-lies-a-twint.html
ArcInfo
TWINT, eine beliebte Lösung, aber von kleinen Geschäften kritisiert
https://www.arcinfo.ch/dossiers/twint-une-solution-populaire-mais-critiquee-par-les-petits-commerces
Blick
Händler wehren sich gegen hohe TWINT-Gebühren
https://www.blick.ch/wirtschaft/haendler-wehren-sich-gegen-hohe-gebuehren-bei-twint-id19399164.html
Handelszeitung
Warum die TWINT-Gebührenstruktur für Diskussionen sorgt
https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/warum-die-gebuhrenstruktur-von-twint-fur-diskussionen-sorgt
Offizielle Kommunikation TWINT AG
Tarifmodell, FAQ für Händler
https://www.twint.ch/fr/faq-entreprises/
GastroSuisse
Stellungnahmen zu digitalen Zahlungsgebühren
https://www.gastrosuisse.ch/fr/themen/digitalisierung/
Schweizerischer Gewerbeverband (SGV)
Analysen und Stellungnahmen zu Zahlungssystemgebühren
https://www.sgv-usam.ch/fr/actualites
